DAV-Wirtschaftsbericht 2026: Apotheken zwischen Honorarstagnation und Kostenanstieg

Steigende Personalkosten, höherer Kassenabschlag und zunehmende Online-Konkurrenz setzen Apotheken weiter unter Druck. Selbst eine Anhebung des Fixums auf 9,50 Euro würde die wirtschaftliche Lage laut aktuellem Bericht nur minimal entspannen.

06.05.2026

Die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken bleibt angespannt. Zwar ist politisch eine Erhöhung des Fixhonorars pro verschreibungspflichtigem Arzneimittel von aktuell 8,35 € auf 9,50 € angekündigt, konkrete gesetzliche Regelungen liegen bislang jedoch nicht vor.

Parallel dazu plant die Bundesregierung im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes eine dauerhafte Anhebung des Kassenabschlags von 1,77 € auf 2,07 € zum Jahreswechsel.


Finanzielle Auswirkungen des höheren Kassenabschlags

Dem gegenüber steht die angekündigte Fixumerhöhung:

 


Mehr Einnahmen werden fast vollständig durch Kosten aufgezehrt

Nach Berechnungen aus dem DAV-Wirtschaftsbericht würde die geplante Honorarerhöhung kaum zu einer echten wirtschaftlichen Entlastung führen.

 

Erwartete Mehrkosten 2026

Das entspricht:

Weitere wirtschaftliche Belastungsfaktoren:

 


Kostenentwicklung entkoppelt sich von Vergütung

Laut Bericht hat sich die Kostenstruktur der Apotheken in den vergangenen Jahren deutlich verändert.

 

Entwicklung seit 2013

Diese Entwicklung beschreibt die ABDA als strukturelles Missverhältnis zwischen steigenden Betriebskosten und nahezu stagnierenden Honoraren.

 

 

Arzneimittel werden teurer - Margen steigen nicht automatisch

Im GKV-Markt hat sich die Umsatzverteilung deutlich in Richtung hochpreisiger Arzneimittel verschoben.

 

Umsatzanteile nach Preisklassen

Arzneimittel über 5.000 €

Arzneimittel zwischen 1.500 € und 5.000 €

Arzneimittel unter 1 €

Trotz steigender Umsätze verbessert sich die Ertragslage dadurch nicht automatisch, da der Wareneinsatz massiv gestiegen ist.

 

Wareneinsatzentwicklung

 

 

Durchschnittsumsatz hoch - wirtschaftliche Realität differenziert

Eine Apotheke setzte 2025 im Durchschnitt rund 4 Mio. € um.

Allerdings gilt:

 


Betriebsergebnisse nur leicht verbessert

Die Ertragslage vieler Betriebe bleibt kritisch.

 

Betriebsergebnisse 2025

Gleichzeitig:

Datengrundlage:

 


Viele Apotheken wirtschaftlich im Risikobereich

Besonders problematisch ist die Zahl wirtschaftlich schwacher Betriebe.

 

Wirtschaftliche Risikoverteilung

Damit liegen zahlreiche Inhaber teilweise unter den Bruttolohnkosten angestellter Krankenhausapotheker im öffentlichen Dienst.

 

 

Versandhandel gewinnt weiter Marktanteile

Die Konkurrenz durch Versandapotheken wächst weiter.

 

OTC-Versandhandel 2025

Besonders dynamisch entwickelt sich das E-Rezept-Geschäft ausländischer Versender.

 

GKV-Arzneimittelausgaben für ausländische Versender

Die ABDA warnt vor einer langfristigen Schwächung der Vor-Ort-Versorgung.

 

 

Leistungen der Vor-Ort-Apotheken 2025

Trotz wirtschaftlicher Belastungen bleibt das Leistungsspektrum hoch.

 

Kennzahlen 2025

 

 

Zahl der Apotheken sinkt weiter

Der Strukturwandel setzt sich fort.

 

Entwicklung Q1/2026

Laut Bericht:

Zwar habe sich das Apothekensterben zuletzt leicht verlangsamt, die Apothekendichte sinke jedoch im europäischen Vergleich weiter.

 

 

Kritischer Blick auf politische Reformen

Die Bilanz der aktuellen Regierungskoalition fällt aus Sicht des DAV ernüchternd aus.

Kritikpunkte:

Der Bericht warnt davor, steigende Gesundheitskosten über zusätzlichen Kostendruck auf Leistungserbringer abzufedern.

 

 

Ausblick 2026

Für 2026 werden erwartet:

Der DAV geht davon aus, dass ein erheblicher Teil der Betriebe wirtschaftlich nicht dauerhaft tragfähig sein wird.


--> Der DAV-Wirtschaftsbericht 2026 zeigt, dass Apotheken trotz angekündigter Fixumerhöhung weiterhin unter massivem wirtschaftlichem Druck stehen: steigende Personal- und Sachkosten, ein höherer Kassenabschlag, wachsende Online-Konkurrenz und anhaltender Strukturwandel lassen selbst ein Honorarplus von 9,50 € nur wie einen kleinen Pflasterstreifen auf einer größeren Baustelle wirken.