Neue Destatis-Zahlen zeigen deutliche Verschiebung der Finanzierung - Staat beteiligt sich kaum stärker, Unternehmen und Beitragszahler stemmen immer größere Lasten.
Die Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens hat sich 2024 weiter in Richtung privater und beitragsfinanzierter Mittel verschoben. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts wurden 54,3 % der laufenden Gesundheitsausgaben von Privathaushalten und Arbeitnehmern getragen. Zusammen belief sich ihr Finanzierungsanteil auf 286,8 Mrd. €. Damit wurde wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht, nachdem der private Finanzierungsanteil während der Pandemie vorübergehend gesunken war.
Die laufenden Gesundheitsausgaben erhöhten sich 2024 gegenüber dem Vorjahr um 7,6 % und erreichten insgesamt 528,5 Mrd. €.
Die Finanzierung verteilt sich dabei wie folgt:
Ein erheblicher Teil der Gesundheitsausgaben entfällt auf die Sozialversicherungsbeiträge der Beschäftigten.
Neben den Sozialversicherungsbeiträgen tragen Privathaushalte zahlreiche Gesundheitskosten unmittelbar selbst.
Dazu gehören unter anderem:
Diese sogenannten sonstigen inländischen Einnahmen machten rund 21 % der gesamten Gesundheitsausgaben aus und stiegen gegenüber 2023 um 5,6 %.
Die größte Dynamik zeigte sich 2024 bei den Unternehmen.
Damit tragen Unternehmen inzwischen nahezu ein Drittel der laufenden Gesundheitskosten.
Während private Beitragszahler und Unternehmen deutlich stärker belastet wurden, stiegen die staatlichen Gesundheitsausgaben kaum.
Von diesen staatlichen Mitteln flossen:
Die aktuellen Zahlen dürften die Debatte um die Finanzierung des Gesundheitswesens weiter verschärfen. Kritiker weisen darauf hin, dass Arbeitnehmer, Unternehmen und Versicherte immer größere Teile der Gesundheitskosten übernehmen müssen, während die staatliche Beteiligung nahezu stagniert.
Im Zusammenhang mit dem geplanten GKV-Spargesetz wird insbesondere kritisiert:
Seit Jahren fordern Krankenkassen eine stärkere Finanzierung sogenannter versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln. Dazu zählt beispielsweise die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern.
Nach Einschätzung der Krankenkassen könnte eine vollständige Finanzierung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgaben durch den Bund die gesetzliche Krankenversicherung jährlich um rund 10 Mrd. € entlasten.
--> Die Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens verlagert sich zunehmend auf Arbeitnehmer, Privathaushalte und Unternehmen, während der staatliche Finanzierungsanteil nahezu unverändert bleibt. Dadurch gewinnt die Diskussion über eine gerechtere Lastenverteilung und die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen weiter an Bedeutung.