Die hausarztzentrierte Versorgung in Baden-Württemberg zeigt seit Jahren bessere Qualität, geringere Kosten und hohe Beteiligung - und entwickelt sich zunehmend zu einem tragenden Pfeiler der ambulanten Versorgung.
Die hausarztzentrierte Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg gilt auch 2025 als leistungsfähiger Bestandteil der ambulanten Medizin und übertrifft weiterhin die klassische Regelversorgung. Grundlage sind aktuelle Evaluationen des Universitätsklinikums Heidelberg und der Goethe-Universität Frankfurt, die das Modell seit Jahren begleiten. Die Versorgung ist populations- und patientenorientiert aufgebaut, stärkt die koordinierende Rolle des Hausarztes und soll Über-, Unter- sowie Fehlversorgung reduzieren.
Zentrale Kennzahlen und Entwicklungen:
Einführung der HZV: seit 2008 in Baden-Württemberg, rechtliche Basis § 73b SGB V
Wissenschaftliche Begleitung: kontinuierlich durch Universitätsklinikum Heidelberg und Goethe-Universität Frankfurt
Teilnahme: über 2 Mio. AOK-Versicherte in Baden-Württemberg (Q1/2025)
Facharzt-Programm: mehr als 1 Mio. Teilnehmer zusätzlich (Q4/2025)
Beteiligte Leistungserbringer: rund 9.000 Ärzte und Psychotherapeuten
Bundesweite Dimension: etwa 10 Mio. Teilnehmer an HZV-Strukturen insgesamt
Baden-Württemberg gesamt: rund 3,3 Mio. Versicherte kassenübergreifend in der HZV
Hausärzte im Land: ca. 5.900 HZV-Teilnehmer
Strukturelle Entwicklung und Ausbau:
erster HZV-Vertrag: 2008 zwischen AOK Baden-Württemberg und ärztlichen Partnerorganisationen
Weiterentwicklung: seit 2010 Facharzt-Programm nach § 140a SGB V
aktuelle Abdeckung: 13 Fachrichtungen integriert
zeitliche Erweiterung der Fachrichtungen:
Kardiologie: Start
Gastroenterologie: 2011
Psychotherapie: 2012
Neurologie & Psychiatrie: 2013
Orthopädie & Chirurgie: 2014
Urologie: 2017
Diabetologie: 2017
Rheumatologie: 2018
Kinder- und Jugendpsychiatrie: 2019
Nephrologie: 2020
Pneumologie: 2021
Versorgungsqualität und Effekte:
nachweislich bessere Ergebnisse als in der Regelversorgung
Kombination aus HZV + Facharzt-Programm zeigt bessere Resultate als HZV allein
Vorteile besonders für chronisch Erkrankte und multimorbide Patienten
geringere Kosten bei gleichzeitig höherer Versorgungsqualität
stärkere Koordination medizinischer Leistungen durch Hausarztsteuerung
weniger unnötige Facharztkontakte
weniger vermeidbare Krankenhausaufnahmen
geringere Arzneimittelkosten
Leistungsfähigkeit in Krisenzeiten:
stabile Versorgung auch während COVID-19
kontinuierliche Betreuung und koordinierte Facharztkontakte
höhere Influenza-Impfquote im Vergleich zur Regelversorgung
Teamorientierte Versorgung als Qualitätsfaktor:
stärkere Einbindung von Praxisteams
HZV-Praxen mit VERAH (Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis) erzielen messbar bessere Ergebnisse
Effekte durch VERAH-Einsatz:
bessere Koordination
weniger unstrukturierte Facharztbesuche
weniger Krankenhauseinweisungen
niedrigere Arzneimittelausgaben
neue Vertragsregelung: gezielte Förderung und Vergütung der VERAH-Weiterqualifikation für medizinische Fachangestellte